
Siebenbürgische Reise
"Siebenbürgische Reise: Eine Rumänienfahrt zu Deutschen, Zigeunern, Ungarn und Rumänien" von Joachim Gremm (2008)
Buch-Details
Gebundene Ausgabe: 170 Seiten
Verlag: Schiller Verlag 2. aktualisierte Auflage (2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3941271098
Buch-Beschreibung
Warum Rumänien? Vielen, die das Karpatenland als Reiseziel auswählen, wird diese Frage gestellt. Joachim Gremm hat Siebenbürgen das erste Mal besucht. Seine Antwort auf die Frage ist vielleicht darum besonders intensiv, weil er mit dem Fahrrad fuhr. Und er hat langsam und behutsam dieses Land erkundet, in dem Rumänen, Ungarn, Roma und Deutsche eine heterogene Schmelzkultur gebildet haben, die gemeinsam mit den landschaftlichen und architektonischen Schönheiten des Landes bunten Stoff für einen Reisebericht liefert. Und an nicht wenigen Stellen erzählt er von einer Zeitreise.
Rezension
Neue Einsichten: "Siebenbürgische Reise" des Joachim Gremm
Die Intensität, mit der Gremm das Land und seine Erlebnisse beschreibt, rührt wohl auch daher, dass er es ganz langsam mit Rad und Zelt erkundet hat. Er fuhr von Hermannstadt am Fuß der Fogarascher entlang ins Burzenland und von da aus über die Harghita, Reps und Deutsch-Weißkirch nach Birthälm und Kleinkopisch zurück nach Hermannstadt. Reden wollte der Autor mit möglichst vielen Menschen, darum hatte er vor der Reise auch ein bisschen Rumänisch gelernt. Mit den Sachsen gelang die Verständigung spielend – zumindest die sprachtechnische Seite, aber: „Mir fiel es zunächst schwer“, schreibt er in seinem Buch, „über das bodenständig naive, von deutsch-nationalen Heimatpathos geprägte Eigenbewusstsein, das gerade bei Gesprächen mit älteren Sachsen zu Tage tritt, nicht die Nase zu rümpfen. Andererseits imponierte mir die Beharrlichkeit und das Durchsetzungsvermögen dieser Menschen.“ Und er beginnt zu begreifen: „Ein unberührtes Land eroberten sich die Siedler. Die Mühsal der Arbeit, das Unglück der Rückschläge, die Freude des Voranschreitens standen ihnen zur Seite. Gemeinsam erschufen sie sich eine neue freie Welt. Eine selbstbestimmte Gemeinde, keinem Herren hörig. Ein kleiner Ring begrenzte ihr Leben, und viele Geschlechter reihten sich an ihres Daseins unendliche Kette.“
Man kann zu neuen Einsichten gelangen durch Gremms Buch, und sein Staunen über scheinbar Alltägliches steckt an, aber manchmal schlägt sich auch seine Empörung nieder, etwa beim Befahren der Hochstraße Transfăgăraşan: „Conducătorul Ceauşescu, von allen Größenwahnsinnigen und Machtbesessenen einer der größten, erschien es so, als könne er mit dem Projekt sein Regime glänzen lassen. Um dies zu betonen, ließ er entlang der Straße ‚futuristische’ Denkmäler aufstellen, deren Geschmacklosigkeit den technischen Rang der Straße weit übertraf. Bei jedem stärkeren Regen versanken die Dorfstraßen im ganzen Land derweil in Matsch und Morast.“
Ob man nun Siebenbürger Sachse oder „deutscher Deutscher“ ist: Man kann Gremms Buch gemütlich auf dem Balkon lesen und in den Gedanken durch das neue, alte Siebenbürgen reisen und es durch seine Augen betrachten. Oder man kann das Buch einpacken und sich auf den Weg machen, mit dem Fahrrad oder einem anderen Verkehrsmittel, und es als praktischen Reiseführer benutzen. Der Autor hat viele schöne und interessante Stellen gefunden, die immer wieder einen Besuch wert sind.
Von Anselm Roth, erschienen auf siebenbuerger.de, 21.07.2007
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