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Im Zeichen des Halbmondes: Siebenbürgen in der Zeit ...

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Im Zeichen des Halbmondes: Siebenbürgen in der Zeit ...
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"Im Zeichen des Halbmondes: Siebenbürgen in der Zeit der Türkenkriege" von Wilhelm Andreas Baumgärtner (2009)

 

Buch-Details

 

Gebundene Ausgabe: 295 Seiten
Verlag: Schiller Verlag (Juni 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3941271166

 

    Buch-Beschreibung

     

    »Alles verändert sich, die kleine, heile Welt Siebenbürgens ist plötzlich ins grelle Scheinwerferlicht der Weltbühne getaucht. Wie so viele, sind auch die Siebenbürger Sachsen von der neuen Situation überrascht. Die Bedrohung nimmt existenzgefährdende Formen an. Die türkischen »Renner und Brenner« sind die neuen Reiter der Apokalypse. Erst brannten die Dörfer des Burzenlandes, doch bald folgten auch die des Altlandes und die des Nösnerlandes. Das ganze Sachsenland war bedroht. Nur feste Mauern versprachen Rettung. Und ein fester Glaube.« W. A. B.

       

      Rezension

       

      Zum 3. Teil der Sachsengeschichte von W.A. Baumgärtner

       

      Der dritte Band von W.A. Baumgärtners Serie zur Geschichte Siebenbürgens widmet sich der Zeit vom ausgehenden 13. Jahrhundert bis zum Jahr 1526. Der Autor versucht in seinem neuesten Buch ein äußerst komplexes Thema so zu verarbeiten, dass es für geschichtlich Interessierte (also nicht ausschließlich für Historiker) verständlich und lesbar ist. Er versucht dies einerseits durch das Einflechten von Quellenpassagen, die das Geschehen lebhaft und sehr emotional schildern, andererseits aber auch durch beinahe „romanartige Passagen“ die aus seiner Feder stammen. Genau hier liegt eines der Probleme des vorliegenden Werkes. Für Baumgärtner scheint das Thema mit sehr starken Emotionen verbunden zu sein, wie zum Beispiel aus folgender Passage auf Seite 7 hervorgeht:

      „Alles verändert sich, die kleine, heile Welt Siebenbürgens ist plötzlich ins grelle Scheinwerferlicht der Weltbühne getaucht. Wie so viele, sind auch die Siebenbürger Sachsen von der neuen Situation überrascht. Die Bedrohung nimmt existenzgefährdende Formen an. Die türkischen „Renner und Brenner“ sind die neuen Reiter der Apokalypse.“

      Die notwendige wissenschaftliche Distanz geht leider in manchen Abschnitten verloren, wobei sich das aus folgender Passage, ebenfalls auf Seite 7 zu finden erklären lässt:

      „Nur unzulänglich können wir darüber berichten, weil nur wenig vom Vergangenen in ebenso wenigen Zeugnissen und Urkunden überliefert ist, und nur mit Hilfe unserer Fantasie und Vorstellungskraft kann daraus lebendigen Geschehen werden.“

      Baumgärtner ist (wie schon viele vor ihm) der Versuchung erlegen, über die Osmanen zu schreiben, ohne die, zugegebenermaßen schwer zugänglichen und meist in Osmanlı geschriebenen osmanischen Quellen zu benutzen und bietet somit in seinem Werk ein zweifach einseitiges Bild. Erstens unterblieb die Benutzung osmanischer Quellen und zweitens konnte er sich kaum von der Sprache der benutzten Quellen beziehungsweise Sekundärliteratur des 19. Jahrhunderts lösen. Daraus resultiert erstens, das einseitige Bild der Osmanen, das völlig überladen von Stereotypen gezeichnet und auf die Worte grausam und blutrünstig reduziert wird. Zweitens ist resultiert aus der Verwendung veralteter Sekundärliteratur die ausschließliche Benutzung des Begriffes „Türken“ für Osmanen. Das Osmanische Reich, war vergleichbar mir dem Habsburgischen Reich ein Konglomerat verschiedenster Ethnien, war doch bereits beim Tod Sultan Mehmeds II. (1481) Dalmatien, Serbien, die Walachei, Bulgarien, Bosnien, Albanien etc. unter der Kontrolle des Osmanischen Reiches. So ist es viel wahrscheinlicher, dass die BewohnerInnen Siebenbürgens osmanischen Soldaten aus jenen Gegenden begegneten als „ethnischen Türken“. In gleicher Weise kann man für die Mitte des 15. Jahrhunderts kaum von österreichischen Truppen sprechen, sondern sollte den Begriff durch habsburgische Truppen ersetzen.

      Zwei weitere Dinge fallen auf, die höchstwahrscheinlich auf die einseitige Benutzung von Quellen, beziehungsweise die Sekundärliteratur des 19. Jahrhunderts zurückzuführen sind: erstens, die Osmanen sind immer in der Überzahl (mindestens doppelt so viel wie ihre Gegner), woraus folgt, dass verlorene Schlachten auf die Überzahl der Gegner reduziert werden, Siege jedoch um so heroischer Erscheinen. Zweitens, die Osmanen werden immer als besonders grausam und gnadenlos dargestellt, verbrennen ganze Dörfer und führen die Bevölkerung ganzer Landstriche in die Versklavung. Dass Sklaven jedoch auch bei den Gegnern der Osmanen eine begehrte Beute waren, die reichlich Profit bot, fällt geflissentlich unter den Tisch.

      Zuletzt noch zwei Anmerkungen zum Kapitel „Adelswut und Bauernblut“. Erstens: György Dózsa „eine Art einfachen Urkommunismus“ (S. 238) zu unterstellen trifft die Sache wohl nicht ganz. Zweitens: Die Bezeichnung Kuruzzen für die Truppen Dózsas; Baumgärtner folgt Matthias Bél in der Argumentation, dass das Wort Kuruzzen (laut Baumgärtner auch „Kreuztürken“) auf das aufgenähte Kreuz der Kreuzfahrer zurückzuführen sei, die einen Großteil der Truppen Dózsas ausmachten. Dies wird allerdings von der ungarischen Sprachwissenschaft aus Gründen der Wortgeschichte wie der Phonetik als inakzeptabel zurückgewiesen. Weiters ist das Wort Kuruzzen erst seit 1679 als Bezeichung für einen Teil des ungarischen Adels nachweisbar, der unter der Führung von Wesselényi und Zrinyi später unter Thököly und Rákoczi in mehreren Aufstandsbewegungen gegen die habsburgische Herrschaft rebellierte.

      Der Versuch Baumgärtners, Geschichte für ein breites Publikum in lebendiger Form zu präsentieren bleibt somit ambivalent. Auf der einen Seite liest sich das Buch flüssig und der Schreibstil ist kein komplizierter, auf der anderen Seite stellt sich jedoch die gewichtige Frage, warum der Autor bereit ist auf rezente wissenschaftliche Literatur zu verzichten und sich somit dem Vorwurf aussetzt, den Forschungsstand des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts aufzuwärmen, unkritisch fortzuschreiben und somit zu einer Mythenbildung beizutragen, die kaum im Sinne der Wissenschaft sein kann.

      Von Dr. Bernhard Heigl, Südosteuropa-Historiker in Graz

       

       





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