
Die Fremden aus Indien
"Die Fremden aus Indien. Nicht die Hoffnung stirbt zuletzt" von Franz Remmel (2010)
Buch-Details
Broschiert: 136 Seiten mit Farbphotografien
Verlag: Banatul Montan (2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-9731929330
Buch-Beschreibung
Was mochte die Zigeunerstämme zum Aufbruch aus Indien bewogen haben? Viel wäre schon gedient, könnte man einwandfrei den Zeitpunkt ihrer Abwanderung bestimmen. Heute will man wissen, dass das Fremde Volk zwischen dem 4. und 5. Jh. hauptsächlich im Gefolge fremder Heere aus Indien gekommen war. Und weil sie in aller Welt hausen, gibt es wohl kein zweites Volk, das unter so vielen Namen bekannt ist wie die "Roma". Schließlich die Frage: Waren die Zigeuner wirklich nichts weiter als unanstellige Tagediebe, wieso konkurrenzierten sie dann die Siebenbürger Zünfte? Wieso waren ihre Wanderschmiede auf allen Dörfern beschäftigt? Das Volk der Roma ist nicht so schwarz wie gezeichnet!
Franz Remmel
Rezension
Mangelndes Wissen bei der Beurteilung der Roma ergänzt
Jetzt, wo wieder das Thema der Roma allgemein und europaweit stark im Gespräch ist, besonders durch die in Frankreich getroffenen Maßnahmen zur Auflösung deren Siedlungen und Rückführung in die Herkunftsländer, vor allem nach Rumänien und Bulgarien, sind Dokumentationen über diese Ethnie besonders wichtig um Vorurteile abzubauen, vielleicht auch um das Verhalten der Roma besser zu verstehen.
Das kürzlich erschienene Buch von Franz Remmel „Die Fremden aus Indien. Nicht die Hoffnung stirbt zuletzt“, Banatul Montan Verlag Reschitza 2010, ist eine weitere derartige, eingehende Analyse die sich auf die historische Herkunft der Zigeuner bis zu ihren heutigen Strukturen, Verhalten und Beschäftigungen bezieht. Franz Remmel, ehemaliger Redakteur der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien“ und vormals „Neuer Weg“, hat durch seine bisherigen Veröffentlichungen zu diesem Thema bewiesen, dass er landesweit einer der besten Kenner nicht nur der Geschichte der Roma, sondern auch deren Brauchtum, Sitten und Beschäftigungen ist.
Dabei baut er nicht nur auf eine eingehende Dokumentation sondern auch auf seine persönlichen Kontakte zu Angehörigen dieser Ethnie, zu leitenden Bulibaschen und gar zum selbsternannten König oder Kaiser der Roma. Die mit diesen geführten Gesprächen, die Teilnahme an traditionellen Festen und Veranstaltungen, die unzähligen Fotos die er dabei machen konnte, fanden ihren Niederschlag in mehreren bisher von ihm veröffentlichten Büchern, wobei der Band „Die Roma Rumäniens. Volk ohne Hintergrund“ den er 1993 im Picus Verlag Wien herausbrachte, zu den Standardwerken gehört. Es folgten weitere diesbezügliche Dokumentationen in denen er sich mit den Problemen der Roma auseinandersetzte: „Nackte Füße auf steinigen Straßen. Zur Leidgeschichte der rumänischen Roma“ (aldus Verlag, Kronstadt 2003), „Botschaft und Illusion. Zeugnisse der Literatur der rumänischen Roma“ (2007) und „Zigeunersitte – Zigeunerrecht. Traditionen im Alltag der rumänischen Roma“(2008) die beide im Verlag Banatul Montan von Reschitza erschienen sind und für die Werner Kremm das Lektorat besorgte.
Elke Sabiel, ehemalige Leiterin der Rumänien-Vertretung der Friedrich Ebert-Stiftung, stand dieser Problematik auch sehr nahe. Fotos die sie bei ihren Besuchen in Romasiedlungen machte, dienten zum Teil als Illustration auch in den Büchern von Franz Remmel. Nicht zu vergessen ist auch der von der Stiftung vor Jahren herausgebrachte Band „Verdammt in die Marginalität? Die Roma in Rumänien“ der im Inter Graf Verlag in Reschitza erschien.
Laut der jetzigen Dokumentation von Franz Remmel sind die Roma wie schon bekannt, zwischen dem 4. und 15. Jahrhundert hauptsächlich im Gefolge fremder Heere aus Indien gekommen. Später tauchten sie dann aber auch in Amerika (1715) und sogar Sibirien (1721) auf. Bezeichnet wurden diese meistens als Zigeuner, doch will Dorin Cioaba, der Sohn des Romakönigs wie der Autor des Buches vermerkt, Straßburg empfehlen die Zigeuner als „Indirom“ und nicht mehr als Rom oder Rrom zu bezeichnen.
Interessant ist, dass schon vor Jahrhunderten ähnliche Maßnahmen wie die jetzt in Frankreich gegen die Zigeuner getroffenen, durchgeführt wurden.
Im August 1427 wurde der Eintritt einiger Zigeuner in Paris verwehrt. 1463 wurde in Bamberg den Roma sogar je sieben Pfund gegeben - nur um abzuziehen, 1492 wurden Zigeunerscharen aus Mailand verjagt. Doch „das Volk der Roma ist nicht so schwarz wie gezeichnet“, schlussfolgert Franz Remmel.
Einem bedeutenden Vorgänger in der Erforschung dieser Ethnie, dem Kronstädter Dr. Heinrich von Wlislocki (1856 – 1907), widmet Franz Remmel ein Kapitel in seinem Buch, da dieser sich besondere Verdienste dabei erworben hat, dadurch aber von der Gesellschaft in der er lebte, verachtet wurde. Remmel geht auf die weiteren spezifischen Aspekte wie Berufe bei den Roma ein, aber auch auf erste Organisationsformen wie beispielsweise die Gründung einer zigeunerischen Gewerkschaft, der der Rauchfangkehrer 1933 in Craiova.
Die Zeitspanne nach der politischen Wende wird von dem Autoren besonderes unter die Lupe genommen, da diese auch für die Romaangehörigen zahlreiche Umstellungen mit sich brachte, obwohl sich diese niemals in das Rampenlicht der Umwälzungen gedrängt haben. In entscheidenden Momenten haben sie die Geschichte der Mehrheitsbevölkerung sehr wohl mitgeprägt. In den Befreiungskämpfen der rumänischen Fürstentümer und Siebenbürgens, bei der Gründung des einheitlichen Nationalstaates Großrumänien, nach dem Sturz der Diktatur war ihr Auftreten willkommen, unterstreicht der Autor.
Allein die Bücher von Franz Remmel über die Roma Rumäniens könnten eine wichtige aufklärende Rolle spielen bei dem Zusammenleben zwischen der Mehrheitsbevölkerung und den Roma, würden diese auch in rumänische Sprache übersetzt werden. Viele Vorbehalte könnten durch die angegebenen Fakten abgebaut werden. Franz Remmel hat dabei eine wichtige Rolle zu verzeichnen.
Dieter Drotleff, erschienen am 26. August 2010 in der KarpatenRundschau
Franz Remmel gehört zu den profiliertesten Autoren zu den Sinti und Roma Rumäniens. Er hat mehrere Bücher zu dieser Volksgruppe veröffentlicht und fühlt sich ihrem Schicksal verbunden. Die Botschaft seines hier vorzustellenden Buches ist, dass die Vorurteile über die Roma und deren darin begründete Benachteiligung als Letztes sterben. Er untermauert dies durch mehrere kurze Darstellungen, welche aus Platzgründen hier nur mit ihrem jeweiligen Titel aufgenommen werden können: Geteilte Meinungen, Er war kein Unsriger, Wegweiser zum Hakenkreuz, Die Gewerkschaft der Rauchfangkehrer, Gründungsurkunde, Roma ohne Grenzen?, Die Macht der Gerüchte, Goldener Zaum macht die Mähre nicht flotter, Greif mal wieder zum Buch!?, Überheiztes Volksmassenbad, Nicht die Hoffnung stirbt zuletzt. Im Anhang werden die rumänischen Bezeichnungen der im Buch vorkommenden deutschen Ortsnamen aufgelistet, zudem werden eine – leider recht kurze – Liste mit weiterführender Literatur und Abbildungen, größtenteils in Farbe, geboten.
Aus den Beiträgen ist die große Sympathie des Autors für die Volksgruppe der Sinti und Roma erkennbar; was teilweise die Objektivität beeinträchtigt. Insbesondere stellt der Autor die Roma vorwiegend als Opfer dar, die Schuld für ihr beklagenswertes Schicksal sei meist bei anderen zu suchen. Remmel verdeutlicht aber auch anhand vieler Beispiele, dass Roma aus Siebenbürgen bzw. Rumänien zu gesellschaftlicher Anerkennung gekommen sind. Auch liefert er Ansatzpunkte für die weitere wissenschaftliche Beschäftigung. Als Beispiel sei hier das Aufbegehren während der kommunistischen Diktatur [S. 101f.] genannt. Größter Kritikpunkt an dem Buch ist das mangelhafte Lektorat. Dies führt unter anderem dazu, dass das Konzept des Buches schwer erkennbar, Quellenangaben ungenau und Tippfehler nicht selten sind. So mancher Beitrag scheint bereits an anderer Stelle erschienen zu sein, ohne dass dies vermerkt wird.
Uwe Konst, erschienen am 7. Februar 2011 auf siebenbuerger.de
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