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Die Szekler in Siebenbürgen

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Die Szekler in Siebenbürgen
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"Die Szekler in Siebenbürgen: Von der privilegierten Sondergemeinde zur ethnischen Gruppe" herausgegeben von Harald Roth (2008)

 

Buch-Details

 

Broschiert: 280 Seiten
Verlag: Böhlau 1. Auflage (1. Oktober 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3412202408

 

    Buch-Beschreibung

     

    Die Szekler waren eine der drei mittelalterlichen »nationes« Siebenbürgens. Während des Landesausbaues im frühen Mittelalter hatten die Könige Ungarns die Szekler, die als Gruppe ungeklärter Herkunft die Landnahme in Pannonien wohl zusammen mit den Magyaren vollzogen, als Grenzwächter in wechselnden Gefahrenzonen eingesetzt, zuletzt im 12./13. Jahrhundert.

    Im 16. Jahrhundert wurden die Szekler zusammen mit dem Adel und den Siebenbürger Sachsen zu einem der staatstragenden Stände des Fürstentums zwischen den Machtblöcken der Osmanen und der Habsburger. Nach der politischen Wende sind eine Vielzahl von Publikationen über die Szekler in ungarischer Sprache erschienen. Der vorliegende Band bringt nun erstmals in einer westlichen Sprache Zusammenfassungen über die neuesten Forschungen zur Geschichte der Szekler und bietet somit einen profunden Einblick in Vergangenheit und Gegenwart dieser kaum bekannten Gruppe.

     

    Rezension

     

    Unbekannte Szekler

    Tagungsband fasst Forschungsergebnisse zur Geschichte der Szekler in Siebenbürgen zusammen

     

    Die siebenbürgischen Szekler führen ein Schattendasein in der deutschsprachigen Siebenbürgenforschung. Die Untersuchungen der Geschichte der seit Jahrhunderten in Siebenbürgen ansässigen Szekler wird von ungarischstämmigen Wissenschaftlern dominiert. Diese Lücke versucht nun der Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde mit seinem neuesten Buch „Die Szekler in Siebenbürgen. Von der privilegierten Sondergemeinschaft zur ethnischen Gruppe“ zu schließen.

    Über die siebenbürgischen Szekler sei seit der Wende viel geforscht und publiziert worden, ohne dass die Ergebnisse einmal gesammelt veröffentlicht worden seien oder ein vollständiges Kompendium zur Geschichte der Szekler erschienen wäre. Auch Referenzwerke in deutscher Sprache würden nicht existieren, schreibt der Herausgeber Harald Roth im Vorwort des Bandes. Das Buch soll einen Teil der Forschungsergebnisse der vergangenen zwanzig Jahre zusammenfassen und in erster Linie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich machen.

    Der Band fasst die Ergebnisse einer internationalen Tagung des Arbeitskreises zusammen, die 2006 im Szekler Nationalmuseum in Sankt Georgen/Sfântu Gheorghe stattfand. Roth zufolge ist auch dieser Sammelband kein Kompendium der Szeklergeschichte, beantworte wohl aber viele Fragen zur eigentümlichen Vergangenheit dieser ethnischen Gruppe in Siebenbürgen. Das Buch enthält 13 Tagungsbeiträge von Wissenschaftlern aus Rumänien, Ungarn und Deutschland. Zusätzlich zu den Themen der Tagung wurden zwei Beiträge zusätzlich in das Buch aufgenommen. Vorangestellt sind den Artikeln ein einleitender Überblick über die Geschichte der Szekler sowie ein Beitrag zur Problematik der jüngeren archäologischen Forschung. Gegliedert ist der Band in zwei thematische Abschnitte. Einleitend werden die Quellen zur Szekler Geschichte behandelt, um anschließend ausgewählte Aspekte aus der Forschung zur Szekler Geschichte darzustellen.

    Da die Geschichte der Szekler im deutschen Sprachraum außerhalb Rumäniens wenig bekannt ist, umreißt der einleitende Beitrag von Sándor Pál-Antal die Geschichte der Volksgruppe. Der Leser erfährt, dass die Szekler seit dem Mittelalter auf dem Gebiet des heutigen Siebenbürgens leben und dort zu einer der drei mittelalterlichen „nationes“ gehörten. Immer noch, so Pál-Antal, streiten die Forscher über die Herkunft dieses Volkes. Von wem die Szekler abstammen, könne aus archäologischer Sicht schwer beantwortet werden, schreibt Adrian Ionita, da keine neuen Grabungen stattfänden und ältere Funde teilweise seit Jahren auf ihre Auswertung warteten. Ausgewertet wurden dagegen Gerichtsreporte und Zensusdaten der einzelnen Szeklerstühle, die in neuen Ausgaben der Reihe „Szekler Urkundenbuch“ veröffentlicht wurden. Ein Beitrag von Gernot Nussbächer über den Urkundenbestand des Archivs der Honterusgemeinde in Kronstadt rundet den Quellenteil ab.

    Der der Forschung gewidmete zweite Teil des Buches beginnt mit Informationen über die Forschung zur Herkunft der Szekler von Zoltán Kordé. Er argumentiert gegen gängige Thesen, indem er beispielsweise die Meinung vertritt, dass die Szekler wolgabulgarischer Abstammung sein könnten, die sich den Magyaren als untergeordneter Stamm mit militärischen Aufgaben angeschlossen haben. Weitere Beiträge beleuchten die Entstehung der besonderen Gruppenprivilegien sowie administrative und gesellschaftlich-politische Aspekte. Diese reichen von der Herausbildung der Szeklerstühle, über eine Typologie des Szekleradels, bis hin zu Fragen der städtischen Verwaltung und Gerichtsbarkeit. Die abschließenden drei Beiträge behandeln die Geschichte der Volksgruppe im 19. Jahrhundert. Ákos Egyed beschreibt den Verlust der Freiheitsrechte der Szekler Nation, die eine Folge der – im Szeklerland verspätetet eintretenden – Modernisierung ist und für die Bewohner eine soziale und wirtschaftliche Bewährungsprobe darstellt. Abgeschlossen wird der Band von einer zusammenfassenden Darstellung der Szeklergeschichte durch Gustáv Mihály Hermann.

    Das Buch gibt einen interessanten Einblick in die jüngere Forschungshistorie der Szekler Siebenbürgens. Der Herausgeber des Bandes Dr. Harald Roth ist Mitarbeiter des Deutschen Kulturforums Östliches Europa und ein erwiesener Kenner der siebenbürgischen Geschichte. Er hat eine insbesondere für Historiker lesenswerte Wissenssammlung über einen bisher in der deutschsprachigen Siebenbürgenforschung vernachlässigtes Kapital zusammengestellt. Das Buch ist in erster Linie ein Gewinn für deutschsprachige Historiker. Aber auch denjenigen Lesern, die sich ein umfassendes Bild über die Geschichte Siebenbürgens verschaffen wollen, bietet das Buch viele Details über Siedlungs-, Lebens- und Machtverhältnisse der Szekler. Leserfreundlich sind die kurzen Zusammenfassungen auf Englisch und Ungarisch am Ende jedes Beitrags.

     

    Von Holger Wermek, erschienen in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien, Juni 2009

     





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      Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 23 Mai 2012 14:31